Unser gemeinsamer Weg vom Podcast zum Projekt

25. Juni 2026

 

Manchmal entsteht etwas, ohne dass man am Anfang schon genau weiß, wohin es führt.

Bei Sterben & Trauern war es so. Wir wollten miteinander sprechen – über ein Thema, das in vielen Familien, Freundeskreisen und auch in der Öffentlichkeit oft nur am Rand vorkommt: Sterben, Abschied, Trauer und die Frage, wie Leben weitergehen kann, wenn ein Mensch fehlt.

Wir sind Lea und Michael Reinhard, Tochter und Vater, Journalistin und Journalist. Dass wir dieses Projekt gemeinsam machen, ist für uns mehr als eine schöne Konstellation. Es prägt jedes Gespräch. Wir bringen unterschiedliche Lebensalter mit, unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Fragen. Und manchmal merken wir gerade im Gespräch, wie gut es ist, dass wir nicht aus derselben Perspektive schauen.

Warum wir angefangen haben

Wir haben angefangen, weil wir gespürt haben: Über Tod und Trauer wird zwar viel geschwiegen – aber das heißt nicht, dass die Fragen nicht vorhanden sind.

Was sagt man einem Menschen, der bald sterben wird?
Wie begleitet man jemanden, der trauert?
Warum fehlen uns so oft die Worte, wenn sie am dringendsten gebraucht werden?
Und warum reden wir über vieles rechtzeitig – aber über das Lebensende oft erst, wenn es kaum noch anders geht?

Uns ging es nie darum, schwere Themen noch schwerer zu machen. Im Gegenteil. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem man offen sprechen kann. Ohne Pathos. Ohne schnelle Trostformeln. Aber mit Wärme, mit Respekt und mit der Bereitschaft, wirklich zuzuhören.

Vater und Tochter im Gespräch

Dass wir als Vater und Tochter über Sterben und Trauer sprechen, macht das Projekt persönlich. Aber es macht es nicht privat.

Wir sprechen nicht nur über uns. Wir sprechen mit Menschen, die Verlust erlebt haben. Mit Expertinnen und Experten. Mit Menschen, die beruflich Sterbende begleiten, Trauernde unterstützen oder selbst erfahren haben, wie sehr ein Tod ein Leben verändert.

Gerade weil wir als Vater und Tochter sprechen, entsteht oft eine besondere Offenheit. Manche Fragen stellt Lea anders als Michael. Manche Erfahrungen ordnet Michael anders ein als Lea. Und manchmal liegt die Kraft genau dazwischen: in der Unterschiedlichkeit, im Nachfragen, im gemeinsamen Suchen nach Worten.

Die Zusammenarbeit mit Ernst Engelke

Ein wichtiger Anfang für Sterben & Trauern war die Zusammenarbeit mit dem Palliativpsychologen Prof. Ernst Engelke.

Mit ihm haben wir über das Sterben gesprochen – nicht abstrakt, nicht beschönigend, sondern sehr konkret: Was brauchen Menschen am Lebensende? Was brauchen Angehörige? Warum helfen klare Worte oft mehr als gut gemeinte Ausweichsätze? Und weshalb kann es entlastend sein, den Tod beim Namen zu nennen?

Ernst Engelke brachte eine Erfahrung in unsere Gespräche ein, die uns sehr geprägt hat. Er hat über viele Jahrzehnte Sterbende und Angehörige begleitet. Er kennt die Hilflosigkeit, die Angst, die Sprachlosigkeit – aber auch die Momente von Nähe, Klarheit und Versöhnung, die möglich werden, wenn Menschen sich trauen, hinzuschauen.

Aus diesen Gesprächen entstand unser erstes Buch bei Herder: „Sterben ungeschminkt – Ein Gespräch ohne Tabus über Abschied, Tod und Trauer“.

Was die Gespräche mit uns gemacht haben

Mit der Zeit haben wir gemerkt: Dieses Projekt verändert auch uns.

Wer mit Menschen über Sterben und Trauer spricht, hört anders zu. Man wird vorsichtiger mit Floskeln. Man merkt, wie schnell man selbst ausweicht. Und man begreift, dass Trauer kein Thema ist, das irgendwann unter „erledigt“ einsortiert werden kann.

In der zweiten Staffel und im Buch „Mit der Trauer weiterleben“ haben wir mit Menschen gesprochen, die schwere Verluste erlebt haben. Diese Gespräche haben uns tief beeindruckt. Nicht, weil sie einfache Antworten gegeben hätten. Sondern weil sie gezeigt haben, wie unterschiedlich Trauer sein kann – und wie viel Kraft darin liegen kann, ehrlich von ihr zu erzählen.

Trauer verschwindet nicht einfach. Sie verändert sich. Sie sucht sich einen Platz. Und manchmal beginnt Weiterleben nicht damit, dass etwas „vorbei“ ist, sondern damit, dass man lernt, mit dem Verlust zu leben.

Unser Appell: Nicht wegsehen

Wenn wir heute sagen, dass Sterben & Trauern ein Gesprächsprojekt ist, dann meinen wir genau das: Wir wollen Gespräche möglich machen.

Nicht belehrend. Nicht besserwissend. Nicht mit dem Anspruch, zu wissen, was anderen hilft.

Sondern mit einer Haltung: Lass uns hinschauen. Lass uns Worte suchen. Lass uns nicht so tun, als gingen Tod, Trauer und Abschied nur die anderen etwas an.

Denn der Blick auf den Tod führt nicht automatisch in die Schwere. Manchmal macht er das Leben klarer. Er erinnert daran, was nicht aufgeschoben werden sollte. Welche Gespräche fehlen. Welche Nähe möglich wäre. Welche Dinge am Ende vielleicht weniger wichtig sind, als sie im Alltag scheinen.

Daraus wächst unser nächstes Projekt: „Trau dich, hinzuschauen“. In zehn Mutmachern wollen wir fragen, was sich verändert, wenn wir den Tod nicht verdrängen – und was dadurch schon im Leben wichtiger werden kann.

Sterben & Trauern auf der Bühne

Aus dem Podcast und den Büchern sind inzwischen auch Veranstaltungen entstanden: Lesungen, Gesprächsabende, Vorträge, Podcast-live-Formate und Moderationen.

Wir erleben dabei immer wieder, wie groß das Bedürfnis ist, über Abschied, Verlust und Endlichkeit ins Gespräch zu kommen. In Buchhandlungen, Hospizen, Akademien, Kirchengemeinden, Kliniken oder bei Fachveranstaltungen entsteht oft eine besondere Atmosphäre: still, aufmerksam, manchmal traurig, aber fast immer auch erleichternd.

Weil endlich ausgesprochen wird, was viele mit sich tragen.

Was uns trägt

Vielleicht ist das der Kern von Sterben & Trauern: Wir glauben, dass ehrliche Gespräche entlasten können.

Nicht, weil sie alles lösen. Nicht, weil sie Schmerz wegnehmen. Sondern weil sie Menschen miteinander verbinden. Weil sie Sprachlosigkeit verkleinern. Weil sie zeigen: Du bist mit diesen Fragen nicht allein.

Darum machen wir weiter. Im Podcast. In unseren Büchern. Auf der Bühne. Und mit der Mutmacher-Tankstelle, in der wir Gedanken, Einblicke und Erfahrungen aus unserer Arbeit teilen.

Sterben & Trauern ist kein ausschließliches Projekt über den Tod, sondern mindestens genauso sehr ein Projekt über das Leben.