Zwei Männer diskutieren auf einer Veranstaltung von Hugendubel über das Thema Pflege, mit dem Schriftzug 'Pflege neu denken' im Hintergrund.

Warum wir jetzt auch über Pflege sprechen

03. November 2026 | von Von Professor Ernst Engelke

Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben. Pflege auch. Deshalb erweitern wir Sterben & Trauern um ein Thema, das uns alle früher oder später beschäftigen wird. Gemeinsam mit Prof. Dr. Ernst Engelke wollen wir die Pflege neu denken.

Seit mehr als drei Jahren sprechen wir mit Menschen über das Sterben, über Abschiede und Verluste, über Trauer und das Weiterleben. In unserem Podcast, in unseren Büchern und bei Veranstaltungen erleben wir immer wieder, wie wichtig es ist, diesen Themen Raum zu geben. Und wie viel sich verändern kann, wenn wir miteinander darüber sprechen, statt schwierigen Fragen auszuweichen.

Dabei begegnet uns zunehmend eine weitere Frage: Wer wird eigentlich für uns da sein, wenn wir alt werden und auf Hilfe angewiesen sind?

Wer wird uns besuchen, wenn wir unsere Wohnung nicht mehr verlassen können? Wer wird uns pflegen, wenn wir es selbst nicht mehr schaffen? Und wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um, die nicht mehr allein zurechtkommen?

Diese Fragen gehören für uns untrennbar zum Leben und seiner Endlichkeit.

Pflege betrifft uns alle

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland über den Pflegenotstand diskutiert. Es fehlt an Fachkräften, die Kosten steigen, Angehörige stoßen an ihre Grenzen. Viele Pflegekräfte leisten unter schwierigen Bedingungen Tag für Tag Außergewöhnliches. Und trotzdem haben viele Menschen Angst davor, eines Tages selbst pflegebedürftig zu werden.

Doch geht es wirklich nur um Geld, Personal und bessere Organisation? Oder müssen wir grundsätzlicher darüber nachdenken, welche Bedeutung alte und hilfsbedürftige Menschen in unserer Gesellschaft haben?

Genau darüber möchten wir sprechen.

Denn Pflege ist weit mehr als eine medizinische oder organisatorische Aufgabe. Es geht um menschliche Nähe, um Zuwendung, um Verantwortung füreinander. Und um die Frage, wie wir selbst einmal leben möchten, wenn wir auf andere angewiesen sind.

Mit Ernst Engelke die Pflege neu denken

Für diesen neuen Schwerpunkt haben wir mit Prof. Dr. Ernst Engelke einen langjährigen Wegbegleiter an unserer Seite. Gemeinsam mit ihm haben wir bereits unser erstes Buch „Sterben ungeschminkt“ veröffentlicht.

Engelke beschäftigt sich seit mehr als fünfzig Jahren wissenschaftlich und persönlich mit Sterben, Tod und Pflege. Schon 1974 begegnete ihm an der Medizinischen Hochschule Hannover der Pflegenotstand. Seither hat er viele Veränderungen erlebt, Reformen begleitet und Entwicklungen kritisch hinterfragt.

Heute ist er selbst über achtzig. Die Frage, wer ihn eines Tages besuchen und pflegen wird, ist für ihn längst keine rein wissenschaftliche mehr.

Seine Überzeugung: Wir werden die Probleme der Pflege nicht allein mit mehr Geld, mehr Personal oder neuer Technik lösen. So wichtig all das ist – gute Pflege braucht auch Menschen, die füreinander da sind.

Engelke fordert deshalb eine echte Revolution in der Pflege. Nicht immer nur fragen, wie wir das bestehende Pflegesystem verbessern können, sondern auch, wie Pflege wieder stärker zu einer gemeinsamen gesellschaftlichen Aufgabe werden kann.

Ein neuer Bereich auf unserer Website

Unter der Überschrift „Pflege neu denken“ geben wir diesem Thema ab sofort einen eigenen Platz auf unserer Website.

Wir veröffentlichen Gedanken, Interviews und Beiträge von Ernst Engelke. Er wird unbequeme Fragen stellen, Entwicklungen kritisch beleuchten und Ideen vorstellen, wie Pflege in Zukunft aussehen könnte.

Dabei geht es uns nicht darum, einfache Lösungen zu versprechen oder professionelle Pflege infrage zu stellen. Im Gegenteil: Wir möchten die Menschen, die Pflege leisten, ebenso in den Blick nehmen wie diejenigen, die auf sie angewiesen sind.

Wir wollen zum Nachdenken anregen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und eine Diskussion führen, die über die üblichen Forderungen nach mehr Geld und mehr Personal hinausgeht.

Ein Gedanke von Ernst Engelke bringt das auf den Punkt:

„Pflegebedürftige bitten die um Pflege, die noch pflegebedürftig werden.“

Darin steckt eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: Wir sprechen nicht nur über die Zukunft anderer Menschen. Wir sprechen auch über unsere eigene.

Es geht um das Leben

Als wir mit Sterben & Trauern begonnen haben, wollten wir dazu beitragen, dass Menschen offener über Themen sprechen, die sie oft lieber verdrängen.

Daran hat sich nichts geändert.

Wir sind vielmehr überzeugt, dass die Pflege genau hier ihren Platz hat. Denn wie wir Menschen im Alter begleiten, wie wir mit Hilfsbedürftigkeit umgehen und welche Verantwortung wir füreinander übernehmen, sagt viel darüber aus, wie wir als Gesellschaft leben wollen.

Es geht uns auch beim Thema Pflege nicht zuerst um das Lebensende. Es geht um das Leben – und darum, dass Menschen bis zuletzt dazugehören.

Wir freuen uns, wenn ihr uns auch bei diesem neuen Thema begleitet.

Lea und Michael Reinhard